Die diesjährige feierliche Plenarsitzung der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste (EASA) war deren Gründer und Ehrenpräsidenten Felix Unger zu seinem 80. Geburtstag gewidmet, den er am 2. März 2026 feierte.
Ehrenpräsident Felix Unger wurde im Rahmen der Generalversammlung mit zwei Festschriften geehrt:
- Zum einen mit einer klassische Anthologie, herausgegeben vom Präsidenten der EASA, Klaus Mainzer, und Gerhard Fasching, veröffentlicht beiEASA Press – ISBN 978-3-903611-01-6). Dieses zeitgenössische Dokument würdigt sein Leben und Wirken in der Herzchirurgie sowie sein Lebenswerk, die EASA. Im Mittelpunkt stehen seine Gedanken zu einer europäischen Föderation als einer realen Utopie für die wertebasierte Weiterentwicklung Europas.
- Zudem die Festschrift von Anna Vanadis Faix: „The Heart of Europe“: Wissenschaft, Menschlichkeit und Verantwortung, erschienen bei Scientia Press, Herrenberg (ISBN 978-3-9828282-0-6). Diese Festschrift würdigt sein Lebenswerk und seine Vision eines Europas, das durch Dialog, Wissenschaft und Werte zusammengehalten wird. Sie vereint Beiträge von Weggefährten, Kollegen und führenden Vertretern aus den Bereichen Medizin, Philosophie, Naturwissenschaften, Politik, Wirtschaft und Kultur.
Die Laudatio auf Ehrenpräsident Felix Unger hielt Brigitte Tag, ehemalige Vizepräsidentin der EASA und Direktorin des Kompetenzzentrums für Medizin, Ethik und Recht Helvetia (MERH) an der Universität Zürich.
Felix Unger:
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Felix Unger ist eine der bedeutendsten Persönlichkeiten in der europäischen Wissenschaftsgemeinschaft.
Als international renommierter Herzchirurg wurde Prof. Unger am 1. März 1985 mit dem Aufbau der Herzchirurgie in Salzburg betraut und leitete bis zum 31. März 2011 die Universitätsklinik für Herzchirurgie an der Paracelsus-Medizinischen Universität. Dort wurden über 20.000 Patienten operiert; eine spektakuläre Leistung wurde im März 1986 vollbracht, als der erste klinische künstliche Herzersatz in Europa durchgeführt wurde, gefolgt von einer Transplantation.
GRÜNDUNG DER EASA IM JAHR 1990
Im Jahr 1990 gründete Prof. Unger gemeinsam mit dem Erzbischof von Wien, Franz Kardinal König, und dem Politikwissenschaftler und Philosophen Nikolaus Lobkowicz die Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste in Salzburg.
Als langjähriger Präsident der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste (EASA) hat er 30 Jahre lang Brücken zwischen Disziplinen, Religionen und Nationen geschlagen. Sein Werk steht für eine Wissenschaft, die Menschlichkeit und Verantwortung vereint – mit einem klaren europäischen Geist, der den Menschen in den Mittelpunkt stellt.
Felix Unger – Brückenbauer für Wissenschaft, Kultur und Frieden
Wenn man das Lebenswerk von Felix Unger in einem einzigen Bild verdichten möchte, dann ist es jenes des Brückenbauers.
Brücken zu bauen bedeutet, Verbindungen zu schaffen, wo zuvor Trennlinien verliefen. Es bedeutet, Gegensätze nicht zu negieren, sondern fruchtbar zu machen. Es bedeutet, Räume des Dialogs zu eröffnen – zwischen Menschen, Disziplinen, Kulturen und Weltanschauungen. Genau darin liegt die große, bleibende Leistung von Felix Unger.
Als er im Jahr 1990 gemeinsam mit dem damaligen Wiener Erzbischof Franz König und dem Rektor der Ludwig-Maximilians-Universität München, Nikolaus Prinz von Lobkowicz, die Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste gründete, war Europa im Umbruch. Der Eiserne Vorhang war gefallen, alte politische Blöcke lösten sich auf, neue Ordnungen suchten nach Orientierung. In dieser historischen Situation entstand eine Institution, die von Beginn an mehr sein wollte als eine klassische Gelehrtengesellschaft.
Die Akademie sollte eine geistige Brücke errichten:
- zwischen Wissenschaft und Kunst,
- zwischen WissenschaftlerInnen aus „West“ und „Ost“
- zwischen den unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen,
- zwischen Erkenntnis und Verantwortung.
Felix Unger verstand Wissenschaft nie als Selbstzweck. Für ihn war sie immer eingebettet in einen größeren kulturellen, gesellschaftlichen und humanistischen Zusammenhang. Sein Denken war geprägt von der Überzeugung, dass wissenschaftlicher Fortschritt ohne kulturelle Verankerung und ethische Reflexion seine Orientierung verliert. Die Akademie wurde damit zu einem Ort des interdisziplinären Gesprächs – einem Forum, in dem Naturwissenschaftler, Mediziner, Philosophen, Theologen, Juristen, Künstler und Ökonomen einander auf Augenhöhe begegnen.
Eine zweite große Brücke, die Felix Unger mit der Akademie geschlagen hat, ist jene zwischen Ost und West.
In den frühen 1990er-Jahren war der wissenschaftliche Austausch zwischen den ehemals getrennten politischen Systemen noch keineswegs selbstverständlich. Viele akademische Netzwerke waren zerstört oder nie entstanden. Unger erkannte früh, dass der europäische Einigungsprozess nicht nur politisch und wirtschaftlich, sondern vor allem geistig und kulturell getragen werden muss.
Heute zählt die Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste mehr als 2.000 Mitglieder aus allen Teilen der Welt, darunter über 30 Nobelpreisträger. Sie ist ein einzigartiges Netzwerk exzellenter Persönlichkeiten, das weit über Europa hinaus wirkt. In ihr begegnen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichsten Traditionen, Erfahrungshorizonten und Denkschulen – verbunden durch den gemeinsamen Anspruch, Verantwortung für die Zukunft unserer Gesellschaften zu übernehmen.
Doch Felix Ungers Brücken reichen noch weiter.
In einer Welt zunehmender geopolitischer Spannungen, neuer Blockbildungen und wachsender Polarisierung kommt der Wissenschaft eine besondere Rolle zu. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind oft die letzten, die jenseits politischer Frontlinien miteinander sprechen können. Sie wirken als Wissensdiplomaten, als Mittler, als Vertrauensstifter.
Tagungen, Kongresse und Dialogforen der Akademie ermöglichen Begegnungen, die auf politischer Ebene häufig nicht mehr möglich wären. Gerade hier zeigt sich die leise, aber nachhaltige Kraft des akademischen Dialogs: Er schafft Räume, in denen Verständigung möglich bleibt – auch dann, wenn politische Beziehungen eingefroren sind.
So wird die Akademie zu einer Brücke des Friedens.
In diesem Sinne verkörpert Felix Unger auch jenes Leitmotiv, das Österreich selbst in den vergangenen Jahrzehnten für sich formuliert hat: Brückenbauer für die Welt.
Als Österreich in den Jahren 2012 und 2013 im Rahmen des Nation-Branding-Projekts unter Vizekanzler Reinhold Mitterlehner und Außenminister Michael Spindelegger seine internationale Rolle neu definierte, stand genau dieses Bild im Zentrum: Österreich als Drehscheibe zwischen West und Ost, als Ort des Ausgleichs, der Vermittlung und des Dialogs. Als Land, das historisch gewachsen ist zwischen Kulturen, Sprachen und politischen Räumen – und daraus seine besondere Verantwortung ableitet.
Felix Unger ist die personifizierte Ausprägung dieses Gedankens.
Sein Wirken verbindet medizinische Exzellenz mit humanistischer Bildung, wissenschaftliche Strenge mit kultureller Offenheit, internationale Vernetzung mit österreichischer Identität. Er denkt europäisch und handelt global – ohne jemals den Menschen aus dem Blick zu verlieren.
Was ihn dabei auszeichnet, ist nicht nur seine intellektuelle Autorität, sondern seine persönliche Integrationskraft. Er bringt Menschen zusammen. Er stiftet Vertrauen. Er eröffnet Gesprächsräume. Und er erinnert uns daran, dass Wissenschaft immer auch eine moralische Dimension hat.
In einer Zeit, in der Spezialisierung oft zur Abschottung führt und Expertise nicht selten in Silos verschwindet, ist Felix Unger ein Mahner für das Verbindende. Sein Lebenswerk steht für die Überzeugung, dass Erkenntnis nur dann ihre volle Wirkung entfaltet, wenn sie geteilt, diskutiert und in den Dienst des Gemeinwohls gestellt wird.
Brückenbauer zu sein heißt, Verantwortung zu übernehmen – für die Gegenwart und für kommende Generationen.
Felix Unger hat diese Verantwortung angenommen. Mit Mut, mit Weitblick und mit einer außergewöhnlichen menschlichen Integrität. Die Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste ist sein Vermächtnis – eine lebendige Brücke in eine offene, dialogfähige und friedliche Zukunft Europas und der Welt.
(Stieger, Martin, 2026: „Felix Unger – Brückenbauer für Wissenschaft, Kultur und Frieden“ in Mainzer, Klaus; Faix, Anna-Vanadis (Hg): „Das Herz Europas – Wissenschaft, Humanität und Verantwortung“ Festschrift für Felix Unger zum 80 Geburtstag, Alma Mater Europaea – ECH Scienta Press Herrenberg(ISBN 978-3-9828282-0-6), S 499 – 501)
Fragen zum Beitrag, interessanten Studienangeboten und Lehrgängen bitte an martin.stieger@viennastudies.com
Martin G. Stieger
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